Hier sehen Sie das Wappen der Stadtgemeinde Scheibbs
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„Alte Häuser erzählen“ – Altstadtwanderung durch Scheibbs

Ausgangspunkt Rathausplatz / Route: Schloss – Pfarrkirche – Rathaus – Schulgasse – Gürtel – Kapuzinerkirche – Hauptstraße – Kartäusergasse

Das Schloss

1160 wird urkundlich als Gefolgsmann der Grafen von Peilstein ein Otto de Schibes als Zeuge genannt, der als "Vogt" der Burg Scheibbs in Verbindung gebracht werden kann. Damit ist auch die erste Siedlung um die hochgelegene Burg und die Kirchenanlage nachweisbar. 1439 wurde das Schloss von den Kartäusern ausgebaut: Priorwohnung, Zehentkasten, Stallungen. 1595 - 1597 fand ein Bauernaufstand statt. Der Prior von Gaming wird im Schloss gefangengenommen. Danach findet der letzte große Umbau durch Töpper statt. Der Bergfried hat eine Höhe von 30 Metern. Im Hof: Röhrenbrunnen, Fensterkörbe, Sonnenuhr, Gittertore, Renaissance-Laubengang aus der Kartäuserzeit, hohe Schmiedekunst, Wasserspeier. Portal im Hof links: F.F.F.H.P.G = fieri fecit frater Hilarion Prior Gaming (1609 - 1640).

Seit 1850 ist Scheibbs Bezirksstadt und hier in diesem Schloss wurden die Bezirkshauptmannschaft und das Bezirksgericht untergebracht.

Die Stadtpfarrkirche

Um 1130 wurde auf Anregung von Konrad I. von Peilstein in der bereits bestehenden Siedlung Schibes ein Vikariat der Pfarre St. Leonhard/Forst errichtet. Als erster Pfarrer wird 1200 in einer Urkunde ein "Wigart plebanus de Schibes" erwähnt.
1322 wird die Kirche St. Maria Magdalena von St. Leonhard getrennt und zur selbstständigen Pfarre erhoben. 1645 wurde die Kirche durch einen verheerenden Brand sehr stark beschädigt, der Wiederaufbau wurde durch fehlende Mittel beeinträchtigt.
1505 begann, von der Kartause Gaming in die Wege geleitet und von der Bürgerschaft großzügig unterstützt, der Bau der spätgotischen, dreischiffigen Hallenkirche, die im 17. Jahrhundert schließlich barockisiert wurde. 1986 wurden bei Umbauten die Fundamente aus dem 14. Jahrhundert gefunden, die einen Teil des Grundrisses der Scheibbser "Urkirche" zeigten. 1998-2005 wurden eine Außen- und Innenrenovierung sowie die Aufstellung einer neuen Orgel von Daniel Kern aus Straßburg vorgenommen. Der Sakralbau - einer der größten in der Diözese St. Pölten - ist auch als "Dom des Erlauftales" bekannt.

Rathausplatz 8

Ehemaliges Hofrichterhaus, heute Sitz der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer. Das „Gaminger Haus“ wurde von den Kartäusern 1651 für das Hofgericht erbaut. Der Hofrichter hatte etwa die gleiche Funktion wie heute der Bezirksrichter und der Bezirkshauptmann. Ihm unterstanden auch die vielen weltlichen Beschäftigten der Kartause. Als Sohn eines Hofrichters wurde hier 1670 der spätere berühmte Abt des Stiftes Melk, Berthold Dietmayr, geboren.

 

Rathausplatz 10

Im ersten Stock dieses Haus sind seit 1991 alte Schützenscheiben untergebracht und auszugsweise in einem kleinen Museum ausgestellt.
Die Scheibbser Schützengilde besteht seit 1569, also seit mehr als 400 Jahren, und diente der Freizeit und Geselligkeit der Scheibbser Bürger. Es sind mehr als 200 alte Scheiben vorhanden, womit Scheibbs eine der umfangreichsten Schützenscheiben-Sammlungen im deutschen Sprachraum besitzt. Sie zeigen Lokalgeschichte, Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit, den Kartäusern, manchmal auch ohne hohe Politik. Vielfach sind sie künstlerisch wertvoll gestaltet.
Dass sich die Scheibbser Bürger schon früher im Waffengebrauch ausbildeten, beweist die mannhafte Verteidigung bei den Türkenangriffen. Es war damals unbedingte Pflicht jeden Bürgers, sich in der Ortsverteidigung mit der Büchse vertraut zu machen und immer wieder im geselligen Kreise zu üben. Ein neu aufgenommener Bürger musste aus dem „Zielrohr“ einen Schuss abgeben und einen „Amber“ Wasser vom Kirchturm auf das Kirchendach leeren, um so symbolisch seine Bereitschaft zur Verteidigung und Feuerbekämpfung zu beweisen.
Die Scheibbser Schützen hatten schon vor 1568 eine Schießstätte. Heute steht die siebente derartige Einrichtung im Burgerhofwald.
Das Haus ist seit 1930 im Besitz der Stadtgemeinde Scheibbs. Es ist eines der ältesten Bürgerhauser in Scheibbs, aus dem 14. Jahrhundert. Hier starb 1795 auch der letzte Kartäuserprior P. Stefan Braun.

 

Das Rathaus

Herzog Albrecht II. verfügte im Stiftsbrief 1352 für die Kartause Gaming auch die Stadterhebung von Scheibbs: "…das der Eegenant margkh ze Scheibs mug mit aynner mauren umbfangen werden und zu ayner bewartn statt gepracht werden, und das in derselben statt jarmargkht sey, alle jerlich an Sand Maria Magdallen feir, ze Eewigen zeitn. Wir sezen auch das derselb markht Scheibs, den fürbaß Eewigclichen genant wellen sein ain Statt…".
Damit erhielt Scheibbs auch besondere Marktrechte.

Das schöne Stadtwappen in Keramik an der Südfront entspricht dem 1537 von König Ferdinand verliehenen Wappen. Die Originalurkunde befindet sich im Stadtarchiv, eine Kopie ist im Rathaussaal zu sehen. Dieses Wappen wurde in Anerkennung der tapferen Abwehr durch die Scheibbser Bürger bei den Angriffen der Türken 1529 und 1532 verliehen. Die Türken konnten Scheibbs, das mit Flüchtlingen gesteckt voll war, nicht einnehmen.

Seit 1583 dient dieses Haus als Rathaus. Vorher mussten die Marktrichter - so titulierte man die Gemeindevorsteher – die Amtsgeschäfte in ihren Wohnungen erledigen. Vor dem Eingang stand einst „Bürgerturm“. 65 Marktrichter amtierten, bis 1850 der erste frei gewählte Bürgermeister hier einziehen konnte.

Im Sitzungssaal sind u.a. Rüstungen, Waffen aus der Zeit der Bauernkriege im 16. und 17. Jahrhundert zu sehen, das Szepter aus 1701 und das Richtschwert aus 1713 sowie alte Folterwaffen und alte Dokumente. Die Bürgermeisterkette stammt aus 1910.

In den Jahren 1990 bis 1995 erfolgte eine teilweise Renovierung. Im Rathaus befinden sich auch das auch Standesamt und das Stadtarchiv.    
 
 
 

Der Rat von Scheibbs

Bis zum Jahre 1583, ab dem die Bürger das Scheibbser Rathaus benützten, hielt man die Ratsgeschäfte im Haus des jeweiligen Marktrichters ab. Damals wurden Richter und Ratsherren zum Beispiel mehrmals wegen ihrer Zugehörigkeit zur protestantischen Religion nach Gaming befohlen. Der Prior von Gaming musste jeweils auch zur Bestellung des Marktrichters seine Zustimmung geben. Neue, wichtige Marktrechte von der Klosterherrschaft Gaming bekam Scheibbs durch den Burgfried 1641 für innerhalb der Mauern und 1645 für die Besitzungen außerhalb der Mauern. Damit wurden Streitigkeiten zwischen Markt- und Hofgericht seltener. Nach der Aufhebung der Klosterherrschaft 1782 ging das Recht auf den Staat über. Seit 1850 lenken Bürgermeister die Geschicke der Stadt.

Das Flecknertor

Er ist der einzige noch bestehende von einstmals vier Tortürmen der Stadtmauer. Schon 1352 hatte Herzog Albrecht anlässlich der Stadterhebung vorausblickend gefordert, dass Scheibbs zu einem Zufluchtsort ausgebaut „mit einer Mauer umbfangen werden und zu ainer bewahrten Statt gepracht werden“ muss.

Dieser Torturm – er wurde mehrmals verstärkt – lag in der Stadtmauer und hatte eine Zugbrücke über einen im Mittelalter errichteten, wassergefüllten Wehrgraben. Seinerzeit war der Durchgang nur leicht steigend. Im 18. Jahrhundert wurde der Wallgraben zugeschüttet und erst in den letzten Jahrzehnten die Straße am Gürtel stark erhöht.

Evangelische Heilandskirche

Das kleine, moderne Gotteshaus wurde 1968 für die Tochtergemeinde Scheibbs der evangelischen Pfarrgemeinde A. u. H. B. Melk/Scheibbs geweiht.

 

Der Pulverturm

Dies ist der älteste erhaltene Verteidigungsturm von Scheibbs. Er war Bestandteil der Stadtmauer, die als Befestigungsanlage gegen feindliche Angriffe das Zentrum schützen sollte. In der Stadt Scheibbs sind außer dem Pulverturm noch einige weitere Wehrtürme von historischer Bedeutung erhalten. Rechts vom Pulverturm sind noch Reste der Stadtmauer zu sehen, deren Bau anlässlich der Stadterhebung 1352 von Herzog Albrecht II. angeordnet wurde. Man kann annehmen, dass die Mauer etwa 6 m hoch war und eine Kronenbreite bis zu 1 m hatte.
Heute werden im Pulverturm Ausstellungen abgehalten.

Kapuzinerkirche

Vor dem ehemals nördlichen Stadttor wurden zwischen 1678 und 1684 ein Kapuzinerkloster und eine dazugehörige Kirche errichtet. Diese Klosterkirche wurde 1684 fertig gestellt und der hl. Barbara geweiht, nachdem schon zwei Jahre zuvor das Kloster bezogen worden war. Zum Bau trugen besonders die Grafen von Zinzendorff viel bei, obwohl sie lutherischen Glaubens waren.

Die Kirche hat, wie bei Ordenskirchen üblich, keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter. Die Einrichtung ist barock, die Altarbilder stammen aus der Schule des „Kremser Schmidt“. Alljährlich zur Weihnachtszeit wird hier eine Krippe mit lebensgroßen Figuren aufgestellt, die vom Scheibbser Bildhauer Josef Schagerl 1912/13 angefertigt wurden.

Die Kapuzinerpatres leisteten stets Aushilfen in vielen Pfarren im weiten Umkreis. Lange Zeit wurden im Kloster junge Ordensleute unterrichtet. An der Klosterpforte fanden Ausspeisungen an Arme statt. Heute findet das ehemalige Kloster als Studentenheim Verwendung. Aus Personalmangel ist es seit 1995 unbesetzt. Vor der Zeit des Klosterbaus stand an dieser Stelle ab 1568 die erste Scheibbser Schießstätte.

Beim Bau des Kapuzinerklosters war auch ein Frater Christian dabei. Er war davor Soldat in Ungarn und konnte mit Büchsen umgehen. Er soll bei der Türkenbelagerung 1683 über die Erlauf geschossen und dabei einen türkischen Anführer getroffen haben. An das Ereignis erinnert eine kleine Bildsäule am linken Erlaufufer.

 

Hauptstrasse 15

An diesem Haus fallen die Biedermeierfassade und der Renaissance-Erker besonders auf. Sie sind ein typisches Beispiel für die zwölf Eisen- Provianthandelshäuser in Scheibbs.

Die Besitzer dieses Hauses sind bis 1550 zurück zu verfolgen. Nach Aufhebung der „Widmung“ und Freigabe des Eisenhandels 1782 durch Joseph II. widmete man sich ganz dem „Wirtshaus zur weißen Rose“, das mit seinem Gastgarten und Ballsaal lange das renommierteste Gastlokal der Stadt war.

Hauptstrasse 21

Das Sgraffito aus 1952 zeigt das Gebäude um 1593. Ochsenwagen bringen am Dienstag, dem Tag des Scheibbser Wochenmarktes, Getreide in die Stadt. Scheibbs war verpflichtet, alles Getreide, aber auch Schmalz und andere Lebensmittel im Umkreis von vier Meilen aufzukaufen und nach Innerberg, dem heutigen Eisenerz, zu liefern.

Ab 1561 wurden die Waren auf der neu errichteten „Dreimärkterstraße“ über Gaming, Lunz und Göstling transportiert. Im Gegenzug brachten die Fuhrwerke „Rauheisen“ nach Scheibbs – ein Eisenvormaterial, das durch die Scheibbser Eisenkammer (in der Kartäusergasse) an die rundum ansässigen Nagel-, Huf- und Werkzeugschmiede verteilt wurde. Aber auch Stangeneisen zum Weiterverkauf nach Krems, Tulln und Wien wurde hier ausgeschmiedet.

Auf dem Bild bringt der Wagen mit den zwei Pferden Rauheisen nach Scheibbs. Darüber ein „Kreunzenwagen“ aus geflochtener Weide, der die zur Eisenverarbeitung notwendige Holzkohle liefert. Gegenüber eine Herrschaftskalesche mit zwei Rappen, die zu den Scheibbser Kartäuserämtern fährt. Fast alle Häuser am „Traydmarkt“ waren Eisen- und Provianthandlungen.

 

Gaminger Strasse 1

Hier wohnte der Bäcker Stefan Walsperger, der 1595 von den Kartäusern als Marktrichter bestellt worden war. Er sympathisierte mit der Lehre Luthers, die damals im gesamten Umkreis viele Anhänger hatte. 1597, zur Zeit des Bauernaufstandes, weilte der Prior der Kartause Gaming auf der Durchfahrt im Scheibbser Schloss. Eine Abordnung von unzufriedenen Bauern wollte vom Prior die Rücknahme von beschlossenen Belastungen erreichen. Diesen Bauernführern ließ Marktrichter Walsperger die Torsperren öffnen. Andere Bauern drängten nach.

Der Prior aber war unnachgiebig und als einer seiner Diener einen Bauern verwundete, kam es zum wilden Aufruhr. Der Prior wurde im Schloss gefangen, beschimpft und mit dem Tode bedroht.

In den folgenden Tagen erreichten Kommissäre in Verhandlungen mit den Bauernführern die Freilassung des Priors gegen hohe Geld- und Materialleistungen. Der Prior konnte nach Wien reisen.

Die aufständischen Bauern zogen weiter nach Lilienfeld, wo sie das Stift plünderten, wurden dann aber bei St. Pölten von kaiserlichen Reitern vernichtend geschlagen. Der Anführer der Bauern, Christian Haller aus Puchenstuben, wurde auf der Flucht erschossen und Marktrichter Walsperger in Scheibbs zusammen mit anderen gefangen genommen.

Man machte ihm den Prozess. Nach Folterung wurde ihm die rechte Hand abgeschlagen und auf den Pranger genagelt. Anschließend wurde er außerhalb der Stadt auf einem Baum gehängt. An jener Stelle an der Straße nach Neustift, nahe dem Pensionistenheim, wurde später ein Marterl zum Gedenken errichtet.

An der Kurve der Gaminger Straße stand einst das Sandtor, das zu einer Furt über die Erlauf führte.

 

Hauptstrasse 31

Auch dabei handelt es sich um ein altes Eisen- und Provianthandelshaus. Einst war auf diesem Haus ein steinerner Metzen als eine Art Norm-Getreidemaß angebracht.

Hier war ab 1836 die erste Scheibbser k.u.k. Briefpostsammelstelle untergebracht, die später zu einer Poststation aufgewertet wurde. Von Scheibbs aus wurden die Briefe in die Orte der Umgebung weitergeleitet.

Dem Postmeister gehörte nicht nur das Haus, auch die Pferde musste er beistellen und die Postkutscher entlohnen. Von Scheibbs gingen regelmäßige Postwagenfahrten nach Pöchlarn, später nach Ybbs oder Melk, Texing, Mank, Kirchberg an der Pielach und Puchenstuben. Bei der Ortseinfahrt hatte der Postillon seine Ankunft mit dem Horn anzukündigen.

1907 wurde das k.u.k. Post- und Telegraphenamt verlegt, Pferde und Kutschen blieben aber weiterhin hier im Haus eingestellt. Das Schild am Giebel mit der Jahreszahl 1873 zeigt das damalige Zeichen des Postverkehrs.

In diesem Straßenteil befand sich nach der Marktordnung von Kaiser Maximilian II. aus dem Jahr 1574 der „Traydmarkt“ (Körnermarkt).

 

Hauptstrasse 24

In diesem Haus lebte der Eisenhändler und Wirt Hanns Inninger, der in späterer Folge gleich dreimal zum Marktrichter gewählt wurde. Besonders stimmungsvoll ist der Hof (an der Rückseite des Hauses, Zugang durch ein Tor in der Gaminger Straße 7) mit spätgotischem Arkadengang im Obergeschoß.

Hauptstrasse 26

In diesem Haus wurde 1804 Franz Schuh geboren. Der spätere ordentliche Professor für Chirurgie an der Universität Wien und Primararzt am Ersten Allgemeinen Krankenhaus in Wien führte 1840 die erste Punktation eines Herzbeutels durch. Er führte auch als erster Arzt in Österreich die Äthernarkose ein und erlangte dadurch Weltruf.

Hauptstrasse 38

Ehemaliges Bäckerhaus und Geburtshaus des Barockkomponisten und späteren Hofkapellmeisters Johann Heinrich Schmelzer (1623 – 1680).